Theophilius  Productions - Musikverlag

Werke: Details

Joachim F.W. Schneider:  Zwei Orchesterst├╝cke

  • Untertitel:
1. Fassaden oder Kulissen
2. Fanfaren
  • Besetzung:
3-3-3-Bkl-3, 4-3-3-1, Pk, 2 Perk, Hf, Klav/Cel, 14-12-10-8-6
  • Dauer:
16:20 min.
  • Entstehungsjahr:
1996/97
  
  • Ausgabe:
Studienpartitur, 52 Seiten
  • Preis:
26,35   bestellen
  • Bestellnummer:
TPV.S1-002
  
  • Weitere Ausgabe:
Auff├╝hrungs-Leihmaterial
  • Preis:
variabel   bestellen
  • Bestellnummer:
TPV.S1-002LM

Die Tradition ist das Thema meiner Musik. Wenn man für "Tradition" das Wort "Weg" setzt, so sehe ich mich nicht außerhalb dieses Weges, sondern mitten darauf, "mitten in der Geschichte (...), im Dialog mit denen, die mir vorausgegangen sind (...)" (Kundera). Dafür gibt es, wie mir scheint, zwei Möglichkeiten, nämlich erstens: der Dialog findet innerhalb der Musik statt, oder zweitens: die Musik ist das Ergebnis des Dialoges.

Als Beispiel für den Dialog innerhalb der Musik soll die Einleitung von "Fassaden oder Kulissen" dienen. Dort spielt sich vor einer Hintergrundschicht aus Paukenorgelpunkt, hohen Metallklängen (Röhrenglocken, Vibraphon, Celesta) und hohen Saitenklängen (Harfe, Klavier, 4 Solo-Violinen) in den Bläsern eine Fugenexposition ab, die auf die gesamte Dauer der Einleitung (zwei Minuten) gedehnt und somit nahezu unkenntlich ist. Das Fugenthema beginnt mit einem prägnanten Dreiviertelton-Motiv (bzw. Eindreiviertelton im Comes), das auch im weiteren Verlauf immer wieder Bedeutung erlangt. Davor wiederum stehen die Skalen der Altposaune, in denen Teile vierteltönig versetzt sind und die so etwas Schwebendes erhalten. Der Einleitungsteil wird von einer Fanfaren-Figur der Klarinetten beendet.

Der Dialog innerhalb der Musik findet auf verschiedene Weise statt. Durch die extreme Zerdehnung, die Vierteltönigkeit und die Einbettung in diesen speziellen Kontext ist diese Fuge keine Fuge, sondern sie ist das Bild einer Fuge. Ebenso verhält es sich mit der Hintergrundschicht. Sie weist mit dem Tutti-Einsatz der Violinen und der nachfolgenden Vorschlagsfigur in Richtung Mahler, sie wird ein (mein) Bild von Mahler. Indem ich also die Bilder (die Tradition) zusammenstelle (komponiere), sage ich nichts nach, ich sage etwas neu.

Tradition komponieren

Im zweiten Stück, Fanfaren, muss man sich hinter der Musik eine unendliche Linie aus dem oben erwähnten Fanfarenmaterial der Klarinetten vorstellen. Diese Linie bringt unaufhörlich fanfarische Gesten hervor, die die Musik generieren. Durch das zweimalige Auftreten des Fugenthemas besteht eine formale Klammer zum ersten Stück.

War die Fanfare im ersten Stück noch ein Bild, so ist das aus ihr entstandene zweite Stück das, was ich vorher als Musik als Ergebnis des Dialoges bezeichnet habe. Denn die Arbeit geschieht hier nicht mit, sondern an den Bildern, so dass diese in neuem Licht erscheinen, verändert und also neu definiert werden. Durch diesen Bezug wird nach Kundera überhaupt erst sichtbar, "was neu und was nachgesagt, was Entdeckung und was Nachahmung ist, mit anderen Worten, nur innerhalb der Geschichte kann ein Werk als Wert existieren, den man erkennen und schätzen kann."

Joachim F.W. Schneider


Andreas Kosack in "Positionen. Beiträge zur Neuen Musik", August 1999

(...) Die zuständige Jury hatte unter ca. 60 Werken diese fünf ausgewählt, und man war ohne Übertreibung geneigt zu fragen, warum eigentlich - kaum zu glauben, dass sich in deutschen Landen so wenig Innovatives tut. (...) Statt dessen hantierte man handwerklich brav mit - man möchte fast sagen handelsüblichen - Versatzstücken einer bereits zur Konvention erstarrten Neuen-Musik-Sprache. Der Wille zur Verständigung mit der Tradition ging an diesem Abend fatalerweise zu Lasten der Artikulation eines eigenen Standpunkts, oder wie Joachim F.W. Schneider (...) bekannte: "Die Tradition ist das Thema meiner Musik. Wenn man für Tradition das Wort Weg setzt, so sehe ich mich nicht außerhalb dieses Weges, sondern mitten darauf, (...)" Nur schade, dass, um mit Schönberg zu sprechen, der Mittelweg der einzige ist, der nicht nach Rom führt ...
(...)


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